... aus den mündlichen Überlieferungen des Bragi Thrymsson
"Auf dem Wege durch die felsigen Höhen des Grats der Welt zogen die Helden da nach Süden und schwer war ihr Weg. Und am Tage bevor sie die Feste über dem Mara erreichen sollten, erreichten sie einen Turm in den Bergen, befestigt und besetzt von den Kriegern des Wachenden Gottes. Und heran preschten die Krieger und nahmen gefangen die Helden in ihre Mitten und führten sie an Speeres Spitze nach ihrer Feste. Einzig Hellring wandte sich ab von den Kriegern und ging den anderen Weg, denn er sah, dass ihrer aller Schicksal in Fesseln liegen würde, wenn sie mit den Wächtern gingen. Doch auch der Flammensohn widersetzte sich der Wächter Macht, als die Mauern der Stadt vor ihnen sich türmten und er überwältigte seinen Häscher und bemächtigte sich seiner Kleidung. Und auf dem sturmumtosten Gipfel warf Hellring aus dem Geschlechte der Uthgart die Runen, die er aus den Händen der Ältesten der Nornen erhalten. Und er las in den magischen Zeichen der Seherin Weissagung verlorener Strophen Gesänge. Sie zu bewahren für die Nachwelt hat das Schicksal mich ersehen und hier folgen sie, wie der Seher sie erkannt, unverstellt Hohen und Niedern zur Andacht:
Erster Gesang
Viel weiß der Weise, sieht weit voraus
Der Welt Untergang, der Götzen Fall.
Aufgetan das Kommende vor der Menschen Auge,
In der Seherinnen Erster geheimen Zeichen.
Ihres Erben Weisung der Sterblichen Los,
Offenbar durch seinen Blick.
Durchschneidet der Lüge Tuch,
fest gewebt aus der mittleren Schwester Händen
entschleiert der Seherin Ausspruch wahren Sinn,
enthüllt die Bestimmung, den Menschen zur Weisung.
Es wird gerichtet, was die Schwester entstellt,
Die Falschheit der Seherin Ausspruch
Nach des Raben schönsten Sprosses Tod.
Zweiter Gesang
Es liegt in Ketten Noch im Quellenwalde
Der arge Loke in Unholdgestalt
Und im Eise der Elivagar bereitet ihr Heer
die Unsanfte Herrin des Hundertfachen Mords
Gewoben weiß da der Weise Todesbande,
Und fest geflochten die Fessel aus Därmen.
Da zerbirst der Himmel, pechschwarz und sternenlos,
und der Honig des Schwerts taucht ihn rot.
Gräulich heult der Herrin Ross vor der Gnupahöhle.
Die Fessel bricht und Garmen rennt.
Es trägt den Geruch der Leichen, und in seinem Schatten,
der Stern, wird sich färben des Schnees Weiß von der Menschen Blut
Als des Himmels Wunde vergeht, in seinem Blute liegt,
der Tag sich von der Nacht erhebt, des Schrecklichen Volk.
Fäulnis aus der Erden Tiefe, auf dem Hauch des Winds reitet der Tod.
Der Rabe regt sich in seinem Verlies.
Weißt Du was es bedeutet?
Die Trägerin von Thryndirs Erbe jedoch musste darben zu jener Zeit schon in den Kerkern der Kirche, und mit ihr war der Letzte der Sigveyg und das Halbblut. Und sie waren ungewiss ihres und ihres wertvollen Besitzes Schicksal. Doch des Schwarzen Netzes verlorener Sohn machte sie entfleuchen ihres Verlieses Tiefe und die Schlacht begann als ihre Häscher wurden ihrer Flucht gewahr. Und so ertönte das Kreischen des Krieges und der Raben Met floss in Strömen von der Klinge des verlorenen Volkes letzten Erbes und die Feinde fielen vor den Helden wie der nächtliche Schnee. Zugleich trafen in den Schatten des Forstes der Seher und das Erdenkind, erschöpft von des Tages Entbehrungen, und sie zogen nach den Tore. Mit geheimer List und kluger Täuschung erlangten sie Eintritt in die nachtschwarze Stadt, wo kalter Wind von Norden kündete von dem schrecklichen Winter, der da kommen sollte über die Welt. Und schließlich zogen sie nach des Kaufmann Hooguns Haus und fanden es ausgespäht von finsteren Häschern, die niederkämpften sie jedoch und banden."
Sonntag, 11. Oktober 2009
Auf nach Marasborg [Chronik]
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