Sonntag, 26. April 2009

Die letzte Prüfung der Sigveyg und ein Urteil [Chronik]

aus den mündlichen Überlieferungen des Bragi Thrymsson...

"Ungewiss waren da die Helden, als sie erfuhren von dieser letzten Prüfung der Sigveyg. Denn nicht wollten sie die Tochter der Garanhir pfählen an den sturmumtosten Stamm, der da seit Beginn der Zeit erwuchs inmitten der Feste der Siegwächter. Und so wechselten die Helden viele erhitzte Worte wie zu handeln sei ob dieser schweren Probe. Da stürmte Rudhven von dannen, erzürnt ob des endlosen Schwalls der Mundwinde ihrer Gefährten. Mit schweren Schritten eilte sie nach dem Hause des Harald Einarssons, dessen rechte Faust von der Klinge des Ostländers Jerewen gefressen ward. Doch Hrefna die Verdammte verbot ihr eifersüchtig den Weg zu ihres Mannes Lagerstatt, nicht halten konnte sie jedoch den Furor der stolzen Tochter Marasborgs. Und so nahm sich Rudhven Garanhir des Häuptlingssohnes Fährten des Blutes an, welche das Halbblut ihm gefügt.

Mutig und listig aber waren der Sohn von Flamme und Fels und der Ostländer, denn sie machten sich daran, mit blitzender Axt und starkem Arm den Pfahl zu fällen, an dessen Stamm die Heldin hängen sollte. Keiner von ihnen sollte geopfert werden dem Einäugigen Gott, der in der Vorzeit des größten Helden der Uthgart Leben und Nachruhm geraubt hatte. Alsdann traten die Mannen der Sigveyg um ihren Hersen aus ihren Gehöften, gerufen von dem Eisjäger Thjorek Thorisson, der ansichtig ward der kühnen Tat der Helden. Die Klingen des Krieges in Händen sprach da der Sohn des Thorgunn Skadisson Lob und Ehrerbietung über die Helden aus, dass sie diese letzte der Prüfungen gemeistert hatten, denn weder hatten sie sich dem Wahnwitz eines falschen Gottes gebeugt, noch war ihnen die Gefahr einer peinlichen Strafe zu groß, sich durch unverzagte Tat von der Last der Prüfung zu befreien. Also sprach der Herse, dass den Helden zu Ehren ein großes Fest abgehalten werden solle, noch am Abend dieses so heilvollen Tages, an dem die Helden sich bewiesen vor den uralten Weisen der Sigveyg.

Doch ein Schatten lag noch auf dem Tag, denn zu urteilen oblag den Helden über die Untat der Sohnesfrau des Einar Thorgunnsson. Und so ward der Freund der Reittiere der Trollweiber gesandt nach der Verdammten, sie zu geleiten in die Methalle der Sigveyg. Doch nur unwillig folgte das stolze Weib, denn erst nachdem der Sohn des Thori Eisenhand die Rudhven aus der Sippe der Garanhir aus der Halle des Hersensohnes geführt, war sie bereit Mann und Kinder zurück zu lassen. Vor dem Gericht des Thorgunnsson aber führte sie ihre Zunge wie in der vorigen Nacht den scharfen Dolch und sie verbarg nicht den Hass auf die Helden des Nordens. Großmut zeigte der Ostländer da und wollte die Schandtat der Unbändigen mit dem Mannessieg über ihren Kindesvater gesühnt sehen. Doch derlei verlachte die Schandhafte lediglich, und Jerewen legte das Urteil in die Hände des Hersen. Der Herrscher des Andenkens verfügte also über sie den Bann und mir ihr sollten ihre Kinder gehen und niemals mehr sollte ihrer gedacht werden unter den Sigveyg.

Dann aber kam Freude und Spiel auf und die Ströme des Trunks der Dichter flossen wie die eisigen Wasser der Elivagar in jener Nacht. Auch legte Rudhven Zeugnis ab über ihren Mut, als der Sohn des Eises den Pfeil schoss in ein Trinkgefäß in ihren Händen. Lange darauf noch schollen die Stimmen aus der Halle des Hersen und freudig ward der Anwesenheit der Helden Ehre gezollt.

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