aus den mündlichen Überlieferungen des Bragi Thrymsson...
"Mit den Wächtern des Sieges tranken und speisten die Helden des Nordens und an ihrer Seite war Thjorek, der Sohn des Thori, kühnster unter den Eisjägern der Sigveyg. Als die Nachtfinsternis am größten war und der Schlafesmantel bereits über der Methalle des Hersen lag, erstarb das Licht in der Halle und der Engel des Todes kam über die Männer. Die Völva richtete ihre finsteren Worte an die Fremden und sie kündete von den drei Prüfungen des Schrecklichen. Ein jeder, der nach dem Grabe ziehen wollte, musste sich ihnen unterziehen und die drei Tugenden beweisen, die Thryndir selbst am höchsten achtete. Es waren dies der Mut des Adlers, die Klugheit des Eisfuchses und die Kampfeskraft des Weißen Bären. Alsdann verschwand die Völva in der Finsternis der Nacht, doch noch bevor der Morgen graute, wurden die Helden erneut erweckt. Denn Hrefna, die Tochter Sigurd Hallagrimssons und Mutter des Sohnes von Harald Einarsson, kam mit dem gezückten Messer in die Halle des Hersen und stach es in den Leib des Jerewen. Nur durch der Rudhven Wachsamkeit ward des Halbbluts Leben geschont. Großer Ehrbruch aber war da im Haus des Hersen getan und nur durch kluge Worte und weises Tun konnte das Vergießen des Honigs der Klingen verhindert werden. Hrefnas Geist war verwirrt durch weibische Sorge um ihres Sohnesvaters Leben, denn im Traume gesehen hatte sie dessen Tod durch des Ostländers Hand.
Am nächsten Morgen dann unterzogen sich die Helden der Prüfungen des Yggr. In der Prüfung des Mutes überwand der Flammensohn die Wunde des Eises ohne Zögern und Furcht. In der Prüfung der List erriet der Seher aller Rätsel Lösung und unterlag doch der List des Skarnar Hulgasson, der seinerzeit der Skalde der Sigveyg war. Und in der Probe der Kampfkraft unterwarf im Holmgang das Halbblut Jerewen die Klinge des Sohns des Grabeswächters. Glücklich und zufrieden waren die Helden da, doch noch einer vierten Prüfung sollten sie sich unterziehen: dsd Prüfung des Rabengottes. Neun Tage sollte sich die Garanhirtochter hängen an den Baum, wie es heißt in des Übeltäters Runenlied
Veit ec at ec hecc vindga meiði a
netr allar nío,
geiri vndaþr oc gefinn Oðni,
sialfr sialfom mer,
a þeim meiþi, er mangi veit,
hvers hann af rótom renn.
Við hleifi mic seldo ne viþ hornigi,
nysta ec niþr,
nam ec vp rvnar, opandi nam,
fell ec aptr þaðan.
Ich weiß, daß ich hing am windigen Baum
Neun lange Nächte,
Vom Speer verwundet, dem Odin geweiht,
Mir selber ich selbst,
Am Ast des Baums, dem man nicht ansehn kann
Aus welcher Wurzel er sproß.
Sie boten mir nicht Brot noch Met;
Da neigt ich mich nieder
Auf Runen sinnend, lernte sie seufzend:
Endlich fiel ich zur Erde.
Samstag, 11. April 2009
Die Prüfungen der Sigveyg [Chronik]
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