aus den mündlichen Überlieferungen des Bragi Thrymsson...
"Am nächsten Morgen reisten die Helden nach der Stelle wo Sigart Thruel ins Verderben stürzte. Dort hatten sich bösartige Kreaturen des Eises an des Kaufmanns Leib gelabt und sie gingen mit Wut die Helden an, als sie ihrer gewahr wurden. Doch die Ungeheuer fielen unter den mächtigen Hieben von Hammer und Klinge und ihr Lebenssaft ergoss sich über das Weiß des Winters. Alsdann begaben sich die Helden daran, die Stätte des Todes zu erforschen und Jerewen von Zhentilfeste barg darin ein Kästchen von schwarzem Holz. Und in dessen Innern fand sich die Schädelkarte zu des Schrecklichen Grab.
Gerüstet mit Waffen, Speis und Trank brachen die Helden am folgenden Tage auf, geleitet von der Karte und den schicksalshaften Mächten der Nornen. Die holde Nija ließen sie zurück im Dorfe, auf dass sie sich erholen möge von den Entbehrungen ihrer Gefangenschaft. Vorbei kamen sie an des Orms Heimstatt, dem Schlachtfeld vergangener Tage, und sie erreichten jene Höhle in den Felsen, aus der die Wölfe gekommen waren. Durch die klaffende Öffnung also gingen sie und sie traten in einen finsteren Gang, der sie durch den Berg führte. Vorbei zogen sie an den Spuren uralter Völker, den Zeichen der Svartalfar und den Bauten der Dverninge.
Alsdann traten sie wieder aus dem Fels und vor ihnen offenbarte sich das ewige Weiß eines Tales, dessen Antlitz des Menschen Auge seit Jahrtausenden verborgen blieb. Kein Tier des Eises zeigte sich hier, kein Vogel kreiste am Himmel. Und doch war da Leben, denn es traten den Helden vier gewaltige Krieger entgegen. Es waren dies Kundschafter der Sigveyg. Unter ihnen war mein Vater, der große Thrym Skaldrsson, der Anführer. Unter den Helden war allein der weise Seher Hellring Rostheim der alten Worte kundig und er entbot dem Skaldrsson ehrerbietig seinen Gruß und forderte Durchlass für sich und seine Gefährten. Von den Worten des Fremden eingenommen, sandte der Winterkrieger den Thjorek Thorisson mit ihnen, um sie nach dem Lager der Sigveyg und vor den Hochsitz seines Hersen zu führen.
Obschon sie verletzt waren an den Beinen und erschöpft, nahmen die Helden die weite Reise durch Schnee und Eis noch in der Nacht auf, sehr zur Freude meines Vaters. Noch vor der Mittnacht erreichten sie die Legrgard, die Feste der Grabeswächter, und sie wurden vor Einar Thorgunnsson geführt, der in jener Zeit der Hersir über die Sigveyg war. Der Thorgunnsson empfing sie in Ehren, wie es Sitte und Gebrauch ist, und bot ihnen Lager, Speis und Trank. Die Helden dankten es ihm mit reichhaltigen Geschenken von edlem Pelz. Dies sorgte für große Freude unter den Wächtern des Sieges, zeigte es ihnen doch, dass auch nach vielen Menschenaltern das Wort des Höchsten nicht vergessen ist, das da heißt
Fanca ec mildan mann eþa sva matar goðan,
at ei veri þiggia þegit,
eþa sins fiar svagi flan,
at leiþ se lán, ef þegi.
Fiár sins, er fengit hefr,
scylit maþr þarf þola;
opt sparir leidom þaz hefir livfom hvgat,
mart gengr verr enn varir.
Vapnom oc váðom scolo vinir gleðiaz,
þat er a sialfvm synst;
viðrgefendr oc endrgefendr erosc lengst vinir,
ef þat biþr at verþa vel.
Nie fand ich so milden und kostfreien Mann,
Der nicht gerne Gab empfing,
Mit seinem Gute so freigebig keinen,
Dem Lohn wär leid gewesen.
Des Vermögens, das der Mann erwarb,
Soll er sich selbst nicht Abbruch tun:
Oft spart man dem Leiden was man dem Lieben bestimmt;
Viel fügt sich schlimmer als man denkt.
Freunde sollen mit Waffen und Gewändern sich erfreun,
Den schönsten, die sie besitzen:
Gab und Gegengabe begründet Freundschaft,
Wenn sonst nichts entgegen steht."
Freitag, 3. April 2009
Auf den Spuren des Schrecklichen [Chronik]
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